Hormone im Abwasser
Alles, was der Mensch verwendet, finden wir irgendwann im Abwasser wieder. Vieles davon nimmt seinen Weg weiter in die Flüsse – wie Rückstände von Medikamenten und Hormonen. Die Tierwelt reagiert darauf mit ungewöhnlichen Veränderungen. Englands Stare sind die besten Sänger. Mit ihren Liedern kriegen sie reihenweise die begehrtesten Weibchen herum. Doch die gefiederten Sangeskünstler sind rein biologisch betrachtet unterm Hund. Ihre Drüsen schütten falsche oder zu viele Hormone aus. Dadurch singen sie zwar wie Orpheus, ihr Immunsystem ist aber stark geschädigt.
Forscher gingen dem Phänomen auf den Grund. Die Stare fressen Würmer, die sich im Schlamm von Kläranlagen tummeln. Die appetitlichen Happen sind jedoch voll gepumpt mit Hormonen, die in den Anlagen nicht abgebaut werden. östrogene aus der Pille und chemisch verwandte Zusätze in Kunststoffen und Waschmitteln überdauern den Klärprozess. In der Folge verweiblichen die Stare. Das Repertoire der Vogel-Männchen wird mit steigender Hormonzufuhr größer. Östrogene sind für die Entwicklung der Gesangsleistung offenbar notwendig. Und so haben gerade die größten Pfeifen mit dem schlechtesten Immunsystem die besten Chancen bei den Weibchen.
In der Folge geht die Population der Stare rapide zurück.
Vieles über die Wirkung hormonell wirksamer Stoffe in den Gewässern ist noch unklar. Um die Substanzen aufspüren zu können, waren bisher aufwändige Tests notwendig. In Zukunft sollen besser entwickelte Sensoren dem Nachweis vereinfachen. Sind die
Schadstoffe erst mal nachgewiesen, können sie entfernt werden. Das Zauberwort heißt hier Ozon. Versuche haben gezeigt, dass Ozon Medikamentenrückstände aufbrechen kann. Die Verbindungen zerfallen in Kohlenstoff und Wasser oder werden zumindest so verändert, dass sie auf normalen Weg in einer Kläranlage abgebaut werden können.
Österreichs Kläranlagen gehören zu den besten der Welt, allerdings sind auch hier punktuelle Maßnahmen notwendig. In der Hauptkläranlage in Wien Simmering, laufen Untersuchungen zur Wirkung des Ozons, um das Verfahren in größerem Maßstab einsetzen zu können.
Autor: Michael Fusko
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