Lösliche Ballaststoffe in der Prävention von Arteriosklerose
Lösliche Ballaststoffe in der Prävention von Arteriosklerose
Die Ballaststoffzufuhr hat in den westlichen Industrieländern in den letzten etwa 100 Jahren stark abgenommen. Die durchschnittliche Zufuhr beträgt heute ca. 20 Gramm pro Tag, bei Vegetariern 40 Gramm. Ende des 19. Jahrhunderts belief sich die tägliche Aufnahme noch auf rund 100g, ein Wert der sich auch heute noch in ländlichen Gebieten sogenannter Entwicklungsländer findet. Bereits in den 1960er Jahren führte die Beobachtung dort tätiger Ärzte, daß in diesen Ländern verschiedene Erkrankungen und Funktionsstörungen (u.a. Arteriosklerose) vergleichsweise sehr selten auftraten zur sogenannten Ballaststoffhypothese, die einen Zusammenhang zur Ballaststoffzufuhr herstellte.
Ballaststoffe können durch die menschlichen Enzyme nicht aufgespalten werden und erreichen daher den Dickdarm. Dort werden sie zum Teil von Bakterien abgebaut.
Man unterscheidet wasserlösliche (Pektin, ß-Glukane, Agar, ...) und –unlösliche Ballaststoffe (Lignin, Zellulose, Hemizellulosen). Für die erste Gruppe wurden in zahlreichen Studien eine Senkung des Gesamt- und LDL-Cholesterinspiegels sowie eine Reduktion des Risikos für Arteriosklerose und die damit verbundenen Krankheitsbilder nachgewiesen. Die löslichen Ballaststoffe machen – je nach Kostzusammenstellung – etwa ein Drittel der Gesamtballaststoffe aus und sind reichlich in Obst und Gemüse sowie in Getreide (insbesondere Hafer und Gerste) enthalten.
Durch welche Mechanismen die löslichen Ballaststoffe das Arteriosklerose-Risiko herabsetzen ist nicht völlig aufgeklärt. Vermutlich handelt es sich um eine Kombination mehrerer Faktoren, wie z.B.
- Reduktion der Aufnahme fettlöslicher Nahrungsbestandteile aus dem Dünndarm
- Erhöhte Gallensäureausscheidung (Gallensäuren werden im Körper aus Cholesterin gebildet)
- Hemmung der körpereigenen Cholesterin-Synthese durch Abbauprodukte der Ballaststoffe
- Reduzierte Insulinausschüttung durch ballaststoffreiche Mahlzeiten (Insulin fördert die Bildung von Cholesterin)
Fazit
Lösliche Ballaststoffe können zu einer Reduktion des Arteriosklerose-Risikos beitragen, und zwar in Mengen die über die tägliche Nahrung ohne weiteres aufgenommen werden können. Die dabei wirksamen Mechanismen sind nicht restlos aufgeklärt. Die WHO ordnet dem Zusammenhang zwischen Ballaststoffaufnahme und dem Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten den zweithöchsten Evidenzgrad zu.
ROBERT BRAUNRATH
Quellen und weiterführende Informationen
BROWN, L.; ROSNER, B.; WILLETT, W.W.; SACKS F.M. (1999). Cholesterol-lowering effects of dietary fiber: a meta-analysis; Am. J. Clin. Nutr. 69, 30-42
HUTH, K; BURKARD, M.: Ballaststoffe. Wiss. Verl.-Ges., Stuttgart, 2004
KEENAN, J.M.; GOULSON, M.; SHAMLIYAN, T.; KNUTSON, N.; KOLBERG, L.; CURRY, L. (2007). The effects of concentrated barley ß-glucan on blood lipids in a population of hypercholesterolaemic men and women; British Journal of Nutrition 97, 1162-1168
v. KOERBER, K.W.; MÄNNLE, T.; LEITZMANN, C.: Vollwerternährung: Konzeption einer zeitgemäßen und nachhaltigen Ernährung, Haug, Stuttgart, 2004
MELLEN, P.B.; LIESE, A.D.; TOOZE, J.A.; VITOLINS, M.Z.; WAGENKNECHT, L.E.; HERRINGTON, D.M. (2007). Whole-grain intake and carotid artery atherosclerosis in a multiethnic cohort: the Insulin Resistance Atherosclerosis Study; Am. J. Clin. Nutr. 85, 1495-1502
WHO: Diet, nutrition and the prevention of chronic disease. Report of a Joint WHO/FAO Expert Consultation, WHO Technical Report Series No 916, Geneva 2003
WOOD, R.J.; FERNANDEZ, M.L.; SHARMAN, M.J.; SILVESTRE, R.; GREENE, C.M.; ZERN, T.L.; SHRESTHA, S.; JUDELSON, D.A.; GOMEZ, A.L.; KRAEMER, W.J.; VOLEK; J.S. (2007). Effects of a carbohydrate-restricted diet with and without supplemental soluble fiber on plasma low-density lipoprotein cholesterol and other clinical markers of cardiovascular risk; Metabolism Clinical and Experimental 56, 58-67

